Karin Rey

Die Kirche Jegenstorf in Festlaune

01-Jubiläums-Eröffnung (Foto: Simon Schöni)

01-Jubiläums-Eröffnung (Foto: Simon Schöni)

Am Sonntag, 2. März 2014 fand mit einem altertümlichen Fest der Auftakt zu den 500-Jahr-Feierlichkeiten der Kirche Jegenstorf statt. Unter dem Motto „mitten im Dorf – mitten im Leben“ folgt bis zum grossen Kirchenfest im September ein bunter Strauss von Anlässen. Diese vermitteln einen Einblick in historische und aktuelle Aspekte kirchlichen Lebens.
Text: Robert Alder / Fotos: Simon Schöni
Seit 500 Jahren steht sie da, die Jegenstorfer Kirche. Am 27. Februar 1514 wurde der Grundstein zum heutigen Kirchenbau gelegt. Ein Grund zum Feiern für das Jegenstorfer Kirchenvolk und das Dorf. Die Festivitäten begannen am letzten Sonntag mit einem nicht übersehbaren Anlass. Aus den Nachbardörfern kamen Gruppen von Kirchgängern zu Fuss oder mit Ross und Wagen zum Gottesdienst. Meist gekleidet wie in früheren Jahrhunderten. Sei dies als einfacher Bauer oder Magd, als Handwerker oder Jäger, oder eher der ritterlichen Zunft zugehörend. Aber auch elegante Damen, begleitet von nicht weniger schick gekleideten Herren kamen des Wegs. Als Höhepunkt schritt Schultheiss Jean de la Fontaine alias Gemeindepräsident Hans Brunner, begleitet von seiner Gattin Barbara in originalen Roben aus dieser Zeit in die Kirche. Endlich war der Schlossherrenstuhl wieder einmal besetzt.

Bausteine als Sinnbild
In der Festbotschaft wurde an die Grundsteinlegung erinnert. Bausteine waren dazu nötig. Sie dienten als Fundament, als Eckstein, der trägt und verbindet, aber auch als Schlussstein, der einem Gebäude Halt und Stabilität gibt. Am Beispiel der gotischen Kirchenfenster heisst dies: Dieser hält nur, wenn die Kraft aller Steine zusammenhält. Der reformierte Synodalratspräsident Andreas Zeller nannte das so: «Kirche lebt nicht von alten Mauern. Es braucht engagierte Menschen, die ihrer Kirche ihren eigenen ‚Stallgeruch‘ verleihen.» Oder Pfarrer Alfred Aeppli betonte, dass es auf das Mittragen und das Zusammenwirken der Mitglieder und der Dorfbevölkerung ankomme. Das hätten schon Generationen vor uns so gelebt. Man wolle deshalb an sie zurückdenken. Nach der Reformation war die Jegenstorfer Kirche eine evangelische Kirche. Seit 1966 sind die katholischen Gläubigen auch wieder in der Kirche Jegenstorf zuhause und feiern hier ihre Messen. Grund genug, dass sie in die Festivitäten miteinbezogen werden und mitbeteiligt sind. Die Kirche Jegenstorf geht auch zu den Leuten. Symbolisch wurde eine Kirchenbank hinausgetragen. Diese wird im Verlauf des Jahres an verschiedenen Anlässen und Orten im Dorf wieder anzutreffen sein.

Gerstensuppe und Bogenschiessen
Nach dem Festgottesdienst setzte auf dem Kirchgemeindeplatz ein emsiges Treiben ein. Die bunte Gästeschar lauschte dem Renaissance-Ensemble, das mit Instrumenten aus dieser Zeit mit entsprechender Musik zur lockeren Stimmung beitrug und sogar dazu anleitete, das Tanzbein zu schwingen. Am offenen Feuer gab es Gerstensuppe, um den Hunger zu stillen. Neben Most und Tee konnte man mit Honigwein ein damals übliches Getränk kennenlernen. Honig war ein wichtiger Bestandteil der leckeren Honigläckerli, die süsse Dessertgelüste stillen konnten. Wer sich sportlich bewegen wollte, konnte sich im Bogenschiessen versuchen.

Chorraum neu gestaltet
Als optische Veränderung der Kirche wurde der Chorraum neu gestaltet. Der schöne Taufstein aus Sandstein rückt ins Zentrum und ist besser sichtbar. Das Taufbecken erhielt ein neues Aussehen und wurde mit der Inschrift versehen: «Das Wasser, das ich dir gebe, wird in dir zur sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt.» Von der Decke fällt aus einem Gefäss regelmässig ein Tropfen Wasser ins Taufbecken. Diese Intstallation des Künstlers Franticek Klossner betont das Element Wasser und soll meditativ und ruhig wirken. Mit der » Einweihung des neuen Chorraumes fand der Auftakt seinen würdigen Abschluss.
Bereitgestellt: 28.03.2014      
aktualisiert mit kirchenweb.ch