Kurt Bienz

Auf den Spuren Luthers

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Gemeindereise vom 8. bis 13. Oktober 2018 unter der Leitung von Pfr. Kurt Bienz

Kurt Bienz,
Auf Luthers Spuren

Unter diesem Thema haben wir, eine Gruppe von 30 Personen aus verschiedenen Kirchgemeinden und Konfessionen, uns auf die Reise nach Deutschland begeben. Nach rund 700 Kilometern und 8 Stunden Fahrt mit dem Car, sind wir wohlbehalten in Erfurt angekommen und haben im ehemaligen Augustinerkloster Zimmer bezogen.
Am nächsten Tag konnten wir einer interessanten Führung durch die Klosteranlage folgen und unter Anderem die Bibliothek mit rund 60‘000 Exponaten bewundern. Jede Pfarrperson dieses Ministeriums hat bei Amtsantritt und beim Altersrücktritt ein Buch dafür zu spenden. Die Kirchenfenster sind wunder-schön und stammen, aufwändig restauriert, original aus dem 13. Jahrhundert. Früher lebten hier rund 70 Mönche, die in einem gemeinsamen Schlafsaal nächtigten. Vielleicht führte das vermutliche Geschnarche dazu, dass sie immer nur kurze Nachtruhe von 4 bis 5 Stunden hielten…
Am Nachmittag folgte die Stadtführung durch Erfurt. Ausgestattet mit Kopfhörern (Audioguides) des Reiseveranstalters erfuhren wir, dass bereits im Jahr 1530 ein ökumenischer Vertrag über das Zusammenleben des Bischoftums Mains (katholisch), von Preussen (reformiert) und von Sachsen (reformiert) abgeschlossen wurde. Deshalb und weil die Stadt im 2. Weltkrieg weitgehend verschont worden ist, können heute noch viele vorreformatorische Kunstwerke besichtigt werden.
Am Abend besuchte uns ein Pfarrer der Altlutherischen Kirche Erfurt. Als Freikirche finanziert sie sich durch freiwillige Beiträge. Zur reformierten Kirche gibt es einige Differenzen. So werden keine Frauen ordiniert, die Beichte ist ein zentrales Anliegen und wird in jedem Gottesdienst angeboten und das Abendmahl wird, wie bei der katholischen Kirche, von der Transsubstantion (Brot und Wein verwandelt sich in den Leib und das Blut von Jesus Christus) ausgegangen.
Am folgenden Morgen fuhr uns der Car nach Eisenach. Auch hier konnten wir eine Stadtbesichtigung geniessen. Der Höhepunkt des Tages war der Besuch der Wartburg. Nachdem Luther im Jahr 1521 im Wormser Reichstag seine Kritik an der Kirche nicht widerrief, wurde er vogelfrei, also zum Verbrecher, erklärt. Zum Schein wurde seine Reisegruppe bei der Rückreise aus Worms überfallen und Luther lebte anschliessend als Junker Jörg inkognito einige Zeit auf der Wartburg in Schutzhaft. Hier übersetzt er das Neue Testament aus einer griechischen Fassung in nur elf Wochen in die deutsche Sprache. Die ein paar Jahrzehnte zuvor von Gutenberg erfundene Buchdruckkunst sorgte für eine rasche Verbreitung dieser Bibelübersetzung. Eisenach ist aber neben einer Luther-Stadt auch die Heimat von Johann Sebastian Bach. So hatten wir Gelegenheit, auch das dortige Bach-Museum inklusive eines kleinen Konzerts zu besuchen.
Zurück in Erfurt wurde das Abendessen, wie es bei den Augustinermönchen üblich war, schweigend ein-genommen. Dazu wurden uns die, heute teilweise schwer nachvollziehbaren, Augustiner-Regeln vorgelesen, was der Einen und dem Anderen ein Schmunzeln aufs Gesicht zauberte. Den Mönchen wurden diese Regeln wöchentlich einmal vorgetragen.
Auf dem Weg nach Eisleben, unserem Aufenthaltsort am 4. Tag der Reise, haben wir den Lutherstein besucht. Dort wurde uns Luthers Gewitter-Erlebnis durch unsere Reiseleitung– lebensecht als Theater-stück – aufgeführt. Wir konnten die Angst Luthers vor dem Tod im Gewitter und sein Versprechen an Gott, sollte er überleben Mönch zu werden, richtig nachvollziehen. In Eisleben besichtigen wir Luthers Geburts- und sein Sterbehaus. Luther stammt aus einer Bergbaufamilie. Damalige beim Abbau gefundene Fossilien deuteten Luther und seine Zeitgenossen als Beweis für die Sintflut, da es die versteinerten Pflanzen und Tiere heute nicht mehr gibt. Anschliessend fuhren wir weiter nach Wittenberg, wo wir im Colleg Wittenberg nächtigten.
Der Stadtrundgang durch Wittenberg führte uns zur Stadtkirche, welche die Grabstätten von Luther und seinem Freund Melanchton beinhaltet. An dieser Kirche soll Luther seine berühmten 95 Thesen gegen Missbräuche im Ablass an die Türe geschlagen haben. Darüber gibt es etliche Legenden und es ist un-klar ob sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen hat. Eindrücklich war auch die Besichtigung des Melanchton-Hauses. Melanchton war ein genialer Wissenschaftler und hat über 2000 Schriften verfasst. Das heisst in 40 Jahren jede Woche eine Schrift! Nach seinem Tod musste seine Professur auf 4 Personen verteilt werden. Als Freund und Vertrauter Luthers hat er viele Aussagen des oft polternden Luther in eine politisch „verträgliche“ Form gebracht und mit seinem scharfen Verstand vertreten. Das Haus, in dem Luther mit seiner Frau, Katharina von Bora und seinen 6 Kindern während seiner Professur an der Universität Wittenberg wohnte, konnten wir ebenfalls besichtigen. Seine Frau war eine unglaublich tüchtige Person und führte neben der Versorgung ihrer Familie und von bis zu 20 Studenten eine Bierbrauerei, eine Weinkelterei und bebaute einen grossen Gemüsegarten. Luther hat seiner Frau grosse Bewunderung entgegengebracht, auch im Wissen um ihre umsichtige Haushaltführung.
Nach der Weierfahrt und Übernachtung in Bayreuth neigte sich unsere interessante Reise leider bereits dem Ende zu. Nach einem Mittagshalt in Augsburg, wo Luther zweimal ein Streitgespräch mit Kirchenvertretern geführt hatte, erreichten wir wohlbehalten, müde und angefüllt mit vielen Erlebnissen und Eindrücken, gegen Abend Jegenstorf. Mit einem grossen Dankeschön verabschiedeten wir uns alle von unserer Reiseleitung und freuten uns auf unser Zuhause und das vertraute Bett.

Hanspeter Blatter
Lutherreise 2018
169 Bilder
Fotograf Kurt Bienz
169 Bilder
Bereitgestellt: 13.12.2018     Besuche: 46 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch