Oskar Probst

Fotogene Tannenhäher, gemeine Natternköpfe und ölige Krokodile

Auf Äbirügg (Rinerhorn)<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kgju.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>553</div><div class='bid' style='display:none;'>7838</div><div class='usr' style='display:none;'>44</div>

Vom 17. bis zum 21. Juni verbrachte die Wandergruppe Jegenstorf ihre in zweijährlichem Turnus durchgeführten Wandertage im Hotel "Sunstar" in Davos.
Oskar Probst,
Sehr auffällig, diese frühmorgendliche Prozession koffer- und rucksackbewehrter, frohgelaunter Seniorinnen und Senioren Richtung Jegenstorfer Kirchgemeindehaus am 17. Juni anno domini 2019. Etwas versteckt hinter dem Kirchgemeindehaus ein geräumiger Reisecar, der mit einer Werbeaufschrift etwas vollmundig „Ewigi Liebi“ versprach. Dann Christine, bereits von früheren Reisen her bestens bekannte und bewährte Buslenkerin, geschickt bemüht, das umfangreiche Gepäck im Sous-sol ihres mächtigen Gefährts einzulagern. Nach gewissenhafter Vollständigkeitskontrolle durch Franziska, der hauptsächlichen Initiantin und guten Seele dieser breitfächrigen Unternehmung, setzte sich der Bus in Bewegung Richtung Zentralschweiz. Die Wandertage 2019 der Jegenstorfer Wandergruppe hatten begonnen…

Eigentliches Ziel war Davos im bündnerischen Landwassertal, dort das Hotel „Sunstar“, das die etwa 50 spazier- und wanderfreudigen JegenstorferInnen für fünf Tage beherbergen sollte. Wenige Minuten nach 12 Uhr kurvte Christine ihren Car geschickt in den Park des Hotels, wo ein einfaches Mittagessen bereitstand. Rasch wurde klar, dass wir in den kommenden Tagen nicht würden darben müssen, sondern auf einen reichhaltigen und variantenreichen Speisezettel hoffen durften. Vielleicht besser, alle Gedanken an den Zeiger der Personenwaage zu Hause vorderhand zu verbannen. - Wer aber auf eine ausgiebige Siesta nach dem Essen gehofft hatte, irrte sich. Wandern war angesagt. Der hoteleigene Wanderleiter Adi nahm uns unter seine Fittiche und begleitete uns zum Davosersee, wo ein lockeres Einlaufen bzw. Einwandern (halb-)rund um den See angesagt war. Patschifig ging es auf einem schönen Weg durch den Seehornwald Richtung Seebüel. Trotz anders lautender Versprechungen zeigte sich nur gerade ein einziges Eichhörnchen; etwas verspielter hingegen ein Tannenhäher, possierlich auf Baumzweigen sich präsentierend wurde er zum gerne geknipsten Fotosujet. Die nächsten Fotosujets dann im Seecafé „Seebüel“, ein gluschtiges Stück Kuchen etwa oder das erste Monstein-Bier.

Zurück im Hotel wurden wir zu einem Begrüssungsapéro erwartet und mit dem Wochenprogramm vertraut gemacht, das grösstenteils vom hoteleigenen Wanderleiterteam Barbara, Ursina, Mario, Marcel und Adi bestritten wurde. Kurz danach im Speisesaal die erste handfeste Auseinandersetzung mit dem grosszügigen Salatbuffet und der verlockenden Menukarte … contra Zeiger der Personenwaage eben.

Dem Vernehmen nach sollen in der ersten Sunstar-Nacht nicht alle JegenstorferInnen wirklich gut geschlafen haben, sei nun die Höhe von immerhin 1‘600 Metern, die etwas zu weiche Matratze oder das reichhaltige Abendessen daran schuld. Ein Traummorgen und ein vielversprechendes Tagesprogramm halfen schnell darüber hinweg. Vier Wanderungen standen zur Auswahl, für jeden Geschmack, jeden Anspruch und jede Kondition eine Möglichkeit. Diejenigen, die gerne und ausgiebig wandern wollten, wurden von Ursina, Mario und Adi nach Klosters und weiter nach Monbiel begleitet. Von hier aus galt es auf verschiedenen Wegen und unter kundiger Führung das Vereinatal zu entdecken, sogar eine schwankende Hängebrücke musste bewältigt werden, und noch nicht beseitigte Lawinenkegel zwangen zu einem Ausweichen auf die rechte Seite der Landquart. Wundervolle Wanderstunden in einer idyllischen Landschaft bei traumhaft sonnigem Wetter. Und dann eben die Natternköpfe, die überhaupt nichts Tierisches an sich hatten, hübsch blau-rot blühend, Echium vulgare, wie der botanisch versierte Wanderleiter Mario uns beibrachte.

Den Grossteil der Jegenstorfer Wanderschar lockte es jedoch nach Glaris und mit der Gondelbahn nach Jatzmeder auf immerhin 2‘000 Metern, was gelegentlich für etwas kurzen Atem sorgte. Nach Lust und Laune und körperlichen Möglichkeiten liess es sich hier wunderbar wandern oder einfach spazieren, bis – für alle überraschend – Barbara und Marcel zu einer Grillstelle luden und alle mit knackigen Cipolata und duftendem Brot verköstigten.

Überhaupt: Dass die Sunstar-Wanderleiter nicht nur tüchtige und erfahrene Wanderleiter sind, sondern auch über beachtliche Entertainer-Fähigkeiten verfügen, zeigte sich am Dienstagabend, als Adi einen ganzen „Bunten Abend“ schmiss, assistiert vom Magier Mario und der blinden Strandnixe Barbara. Aber auch aus den eigenen Reihen kamen verkappte Talente zum Vorschein, etwa als Beat aus Wegwerfartikeln einen „yellow bass“ zusammenzimmerte und damit die ganze bunte Schar zum Swingen und Klatschen brachte, assistiert vom Gitarristen André, den man bis anhin eigentlich als Maler wahrgenommen hatte.

Der Chronist sieht sich ausserstande, die ganzen Wandertage im Detail zu beschreiben. Es sei aber noch erwähnt, dass am Mittwoch ein gutes Dutzend an einen Ausflug zum „Little Grand Canyon“ der Schweiz, der eindrücklichen Rheinschlucht, teilnahm, begleitet von Ursina, die mit ihren reichhaltigen und fundierten Informationen alle Mitreisenden zu beeindrucken vermochte. Für die Übrigen wurde an diesem Tag die Zügenschlucht zum Wandergebiet … und damit die Begegnung mit einem Krokodil, das sich als gar nicht gefrässig erwies, dafür aber nach Öl dürstete, dem Nostalgie-Krokodil der Rhätischen Bahn aus dem Jahre 1929.

An den folgenden beiden Tagen wurde das Wetter unsicher, drohende Gewitter und Regen erzwangen gar den Abbruch einer Wanderung, die von der Schatzalp über 6 weitere Alpen nach Glaris führen sollte. Auch das märchenhafte Sertigtal zeigte sich nicht mehr von seiner Bilderbuchseite. Das letzte Wanderziel am Freitag war der Schwarzsee bei Laret. Obwohl dunkle Wolken mit Regen drohten, zog das Sunstar-Wanderleiterteam noch einmal alle Register und bereitete uns – zusammen mit Grillmeister José – einen Grillplausch, wie er kaum zu überbieten ist. Nicht nur Köstlichkeiten für das leibliche Wohl wurden uns geboten, auch Gesang, Spiel, Tanz … bis hin zu Intonationsversuchen auf dem Alphorn, die mit Alphornschnaps belohnt wurden, sofern sie gelangen.

Bereits sind die Davoser Wandertage nur noch schöne Erinnerung, die aber mit Sicherheit lange nachklingen wird, bestimmt auch am nächsten Fototreff im Januar 2020. Der Chronist möchte nicht alle Dankesworte wiederholen, die schon ausgesprochen und verteilt worden sind. Er möchte sie zusammenfassen in einem einzigen, mächtigen, kräftigen DANKESCHÖN an alle, die zum guten Gelingen dieser Wanderwoche in Davos beigetragen haben.
Bereitgestellt: 26.06.2019     Besuche: 5 heute, 55 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch