Susanne Aeschbacher

Frauen treffen Frauen

IMG_7744 (Foto: Susanne Aeschbacher)

"Gut ist besser als perfekt"
Referentin: Dr. med. Doris Schneider-Bühler
Ärztin - Therapeutin - Coach
a) Was treibt einen in den Perfektionismus?
Die Angst nicht zu genügen, sich zu blamieren, seinem Ruf zu schaden, abgelehnt zu werden, die Kontrolle zu verlieren, als Versagerin oder Versager dazustehen.

b) Woran erkennt man Perfektionist(inn)en?
Perfektionist(inn)en werden mit gewissen Arbeiten nie fertig, es geht immer „noch schöner und bes-ser“. Sie stehen sich mit ihrem Alles-oder-nichts-Denken selbst im Weg: „Das kann ich nicht, also werde ich damit gar nicht anfangen.“ Entscheidungen gehen sie aus dem Weg aus Angst, sich falsch zu entscheiden. Mit dieser Einstellung bleiben viele Chancen im Leben ungenutzt.

Perfektionistische Menschen haben ihren Blick stets auf die Schwächen und Fehler bei sich selbst und den anderen gerichtet. Sie korrigieren sich und andere ständig, ertragen jedoch negative Kritik ihrer Mitmenschen nur schlecht.

Perfektionist(inn)en überprüfen alles x-mal. Sie sind überorganisiert, damit ja nichts schief laufe, und sind immer für alle Notfälle gerüstet. Sie haben Mühe, Arbeiten an andere zu delegieren, bekla-gen sich jedoch, dass ihnen niemand helfe. Zudem geben sie sich mit ihren Erfolgen nie zufrieden und können ein Kompliment nicht mit einem herzlichen Dankeschön entgegennehmen.

c) Schädliche Folgen des Perfektionismus
Rastlosigkeit, Dauerstress, Mangel an Zeit und Spontaneität, negatives Denken, stressbedingte Krankheiten (Bluthochdruck, Magenschmerzen usw.).

„Perfektionismus sabotiert Gesundheit,
Beziehungen und Lebenszufriedenheit.“ (Doris Schneider-Bühler)

d) Perfektionismus an sich ist nicht schlecht
In gewissen Situationen oder Lebensbereichen ist Perfektion absolut notwendig, so zum Beispiel bei einer Operation oder Flugzeuglandung. Doch Perfektion in allen Lebensbereichen schadet einem selbst und anderen!

e) Wie kann ich der Perfektionismus-Falle entkommen?
- Ich erkenne, in welchen Bereichen ich zu Perfektionismus neige.
- Ich werde mir über die Folgen meines Perfektionismus klar:
Wo sind Selbstwertgefühl, Gesundheit, Leben und Beziehungen gefährdet?
- Prioritäten setzen: Was ist wirklich wichtig?
- Anwendung des Pareto-Prinzips (80-zu-20-Regel) in verschiedenen Lebensbereichen:
mit 20% Einsatz 80 % Ertrag [= Note 5] erreichen.
- Gut (80 %) ist gut genug! – Diese Haltung gibt mir Zeit und Gelassenheit.
- Eines nach dem anderen – kein Multitasking!
- Ich sehe ein, dass ich wertvoll bin, auch wenn mir nicht alles gelingt.
- Aus Fehlern kann ich lernen. Kleine Fehler sind übrigens sympathisch.
- Schluss mit negativen Gedanken! (= gefährliches Saatgut!!!)
- Ich schaue auf Erfolge anstatt auf Fehler. Ich feiere auch kleine Erfolge.
- Ich will mit mir und anderen „gnädig und barmherzig“ sein.
- Ich stelle mir die „Schaukelstuhl-Frage“: „Auf was für ein Leben möchte ich
am Ende meiner irdischen Wegstrecke zurückblicken dürfen?“

f) Jesus, unser Vorbild:
Jesus Christus war nur während drei Jahren öffentlich tätig und wirkte die meiste Zeit seines Lebens unter „unwichtigen“ Menschen in einem geografisch begrenzten Gebiet. Wir wissen von ihm, dass er sich immer wieder zum Beten in die Stille zurückzog. Lernen wir von ihm!


g) Bibelstellen
„Glücklich sind, die Barmherzigkeit üben,
denn sie werden Barmherzigkeit erfahren“. Matthäus 5:7

„Begreift doch endlich, was Gott meint, wenn er sagt:
‚Wenn jemand barmherzig ist, so ist mir das lieber
als irgendwelche Opfer und Gaben‘.“ Matthäus 9:13 (Hosea 6:6)

(Zusammenfassung des Vortrags vom 17. November 2021 / C. F.)
Bereitgestellt: 18.11.2021     Besuche: 5 heute, 114 Monat 
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