Karin Rey

Die Kirche Jegenstorf

Seit 500 Jahren ist die Kirche Jegenstorf ein Ort der Gemeinschaft in Freud und Leid. Ihr Grundstein wurde am 27. Februar 1514 gelegt. Ungezählte Generationen haben hier gefeiert und gebetet, Trost gesucht und Hilfe gefunden. Die Kirche Jegenstorf gehört zu den grössten gotischen Dorfkirchen im alten Bern. Sie besticht mit ihren prächtigen Glasgemälden, welche als schönste und älteste des Kantons gelten. Die kunstvollen Masswerke sind in jedem Fenster anders geformt. Der Chorraum wurde anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums künstlerisch neu gestaltet. Mit ihrer kunsthistorisch wertvollen Ausgestaltung und dem vielseitigen Gemeindeleben hat die Kirche Jegenstorf mitten im Dorf eine anziehende Ausstrahlung.
Kirche Jegenstorf<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kgju.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>37</div><div class='bid' style='display:none;'>556</div><div class='usr' style='display:none;'>96</div>

 

24-neuer Chorraum<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kgju.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>46</div><div class='bid' style='display:none;'>551</div><div class='usr' style='display:none;'>7</div>

 

Fenster14<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kgju.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>39</div><div class='bid' style='display:none;'>254</div><div class='usr' style='display:none;'>7</div>

 

Aus der Baugeschichte
Die Kirche Jegenstorf steht auf einem kleinen, künstlich aufgeschütteten Hügel, der möglicherweise schon in keltischer Zeit Opferstätte war und auf dem in römischer Zeit eine Villa und wohl auch ein Wachtturm standen. Für das Jahr 1275 ist uns dann urkundlich ein der Mutter Gottes geweihtes Kirchlein zu 'Yegistorf' bezeugt.
Unsere heutige Kirche wurde im Jahre 1514 anstelle des alten, zu klein gewordenen Kirchleins durch Meister Benedikt Frantz in gotischem Stil errichtet. Schutzpatronin der Kirche war damals Maria. Das Gebäude besteht aus dem mit einem Kreuz geschmückten Turm, der von der früheren Kirche übernommen wurde, dem Schiff mit der Empore, dem Chor mit den äusserst wertvollen Glasfenstern sowie der Sakristei, die früher den Priestern zur Verfügung stand. Die Kirche wurde 1967-71 einer eingehenden Renovation unterzogen.
Turm und Glocken
Im Turm hängen heute vier Glocken, welche die Stunden schlagen und uns mit ihrem Geläute zum Gottesdienst zusammenrufen. Bis 1969 waren es nur drei Glocken, deren kleinste damals ersetzt wurde und heute neben dem Turm steht. Sie wurde 1660 von den Herren Hans Jakob von Bonstetten und Niklaus Rufer von Urtenen gestiftet und am 15. Mai 1829 durch Emanuel Meley in Bern umgegossen. Auf ihr steht: "Ich rufe so: Höre den Herrn, denn wer mein Wort höret und glaubet, der hat das ewige Leben".

Die grösste Glocke (Ton Des) hat einen Durchmesser von 153 cm und wiegt 1830 kg. Sie wurde 1969 von Frau Marie Rufer-Rufer von Urtenen gestiftet und in der Glockengiesserei H. Rüetschi in Aarau gegossen. Sie trägt den Spruch: "Land, Land, höre des Herrn Wort" Jeremia 22,29.
Auf der zweiten Glocke (Ton F) steht die Jahrzahl 1571 und "Frantz Sermund zoa Bärn goss mich", dazu der Spruch: "Sallig sind die das Wort Gottes hörend und behaltens". Sie wiegt 1000 kg und hat einen Durchmesser von 120 cm.
Die dritte Glocke (Ton As) wurde ebenfalls 1969 eingebaut. Sie hat einen Durchmesser von 102 cm, wiegt 613 kg und trägt als Bibelwort: "Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit" Hebräer 13,8.
Die kleinste Glocke (Ton B) mit 420 kg Gewicht und einem Durchmesser von 90 cm wurde 1659 gestiftet von den Herren Hans Rudolf Genfer und Carolus von Bonstetten. Auf ihr steht geschrieben: "Dein Heil zufurderen, gehorch nur mir Matth. XXII zur Hochzeit des Königs ruf ich Dir" und "Us dem Feyr bin ich geflossen, Abraham Zender zu Bem hat mich gegossen".

Bis zur Renovation der Kirche im Jahre 1969 wurden die Glocken von Hand geläutet. Seither werden sie elektrisch angetrieben. Der elektromechanische Läuteapparat für die zeitliche Steuerung der Glocken, der von der Uhr angetrieben wurde, musste nach einem Defekt 1999 durch einen modernen Läuteautomaten ersetzt werden.

Die Turmuhr wurde 1905 durch die Firma J.G. Baer aus Sumiswald eingebaut. Sie funktioniert auch heute noch einwandfrei. Die Gewichte für das Gehwerk und die beiden Schlagwerke mussten bis 1969 wöchentlich von Hand aufgezogen werden. In den achtziger Jahren wurde zusätzlich eine Korrektureinrichtung eingebaut. Diese stellt sicher, dass die Uhr immer die genaue Zeit anzeigt. Der Turm war der grösseren Belastung mit den vier Glocken nicht mehr gewachsen und wurde anlässlich der Renovation von 1989 entsprechend verstärkt. Der Glockenstuhl wurde im oberen Bereich vom Mauerwerk getrennt.

An der Aussenseite der Kirche finden wir noch die alte Sonnenuhr und einige Gräber, die vom alten Friedhof her übrig geblieben sind. Vom daneben stehenden Haus wissen wir, dass es früher als Beinhaus diente.
Kirchenschiff und Chor
Im Schiff der Kirche fallen sofort die im Renaissancestil gehaltene Kanzel und das den Wänden entlang laufende Gestühl auf. Zur Linken finden wir darauf der Reihe nach die Namen der Pfarrer von Jegenstorf von 1527 bzw. 1528 mit der Einführung der Reformation in Bern bis zur Gegenwart. Die flache Holzdecke ist mit Schnitzereien verziert und trägt die vier Evangelisten-Symbole Engel (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes).

An der Stelle des Johannes-Altars stiftete 1655 Carl von Bonstetten das Kirchengestühl der Schlossherrschaft. Es trägt das Wappen der letzten Besitzerfamilie des Schlosses, der von Stürler 1758-1934. Beim Eingang in der Mitte unter dem Teppich und rechts unter der Empore befinden sich zwei Zisternen aus der Römerzeit, die bei der grossen Renovation entdeckt wurden.

Der Chor war in katholischer Zeit den Priestern vorbehalten und ursprünglich durch ein Gitter vom Schiff abgetrennt. Man sieht im Chorbogen links und rechts die steinernen Auflagezapfen, die einen Balken mit einem grossen mittelalterlichen Kreuz und den Gestalten Maria und Johannes trugen. Dahinter befand sich in der Mitte des Chors der grosse, der Mutter Gottes geweihte Marienaltar. Der Taufstein stand ursprünglich beim Eingang. Das Chorgestühl mit dem alten vierplätzigen Priesterstuhl links, dem Schulmeisterstuhl rechts im Chorbogen und dem etwas jüngeren Richterstuhl in der Mitte diente dem über Sitte und Recht wachenden Chorgericht. Grabplatten an den Wänden weisen auf die im Chor bestatteten Adeligen hin. Sarg und Skelett des Carl von Bonstetten sind anlässlich der Renovation gefunden worden.

Die erste Orgel wurde etwa um 1790 auf der Empore eingerichtet. Vorher amtete jeweils ein Schulmeister als Vorsänger und Vorleser. Sein Stuhl steht am Eingang zum Chor gegenüber der Kanzel. Im Laufe der Jahre wurde die Orgel mehrmals revidiert und erweitert. 1972 wurde die erst 24 Jahre alte, aber nicht befriedigende Goll-Orgel mit 22 Registern von der Orgelbaufirma Ziegler-Heberlein aus Uetikon ZH zu einem Instrument mit 28 Registern erweitert. Diese wurde 1994 durch die Orgelbaufirma Thomas Wälti, Gümligen nochmals vollständig renoviert und neu intoniert. Die Orgel hat immer noch 28 Register mit total 1826 Pfeifen.
Glasgemälde
Die hochwertigen Glasgemälde gehören zu den ältesten und wertvollsten des Kantons und stellen einen besonders schönen Schmuck der Kirche dar. Die meisten wurden wohl bei der Einrichtung der Kirche im Jahre 1515 geschenkt.
Im mittleren Fenster des Chors finden wir die vom Rat von Bern gestifteten Wappenscheiben mit Maria, der Mutter Gottes als Himmelskönigin auf der Mondsichel; links davon der heilige Vinzenz, der Schutzpatron Berns mit Brevier und Palmzweig; rechts davon wohl der heilige Achatius. In der zweiten Reihe ist das Wappen des deutschen Reiches flankiert von zwei Engelsgestalten mit Bernerwappen. Bern gehörte damals zum Bistum Konstanz. Darunter sind die Wappenscheiben der Herren von Bonstetten und von Wattenwyl.
Im rechten Fenster sind die prächtigen Basler Scheiben, oben mit der Ankündigung der Geburt Christi und Maria als Himmelskönigin; dann Kaiser Heinrich, Erbauer des Basler Münsters und der Bannerträger; darunter das Basiliskenpaar mit den Stadtschildern von Basel.
Im linken Fenster befinden sich die Gaben der Stände Freiburg und Solothurn und mit ihren Stadtheiligen St. Urs und St. Nikolaus sowie die Wappenscheiben der Familie von Erlach.

Besonders kunstvoll sind die Doppelscheiben im Schiff gegenüber der Kanzel mit den Wappen der Stifter Hans von Erlach und Magdalena von Mülinen. Das Original der prächtigen oberen Gemälde mit Johannes dem Täufer und dem älteren Jakobus als Pilger wurde nach Bern ins Historische Museum geholt.
Künstlerische Neugestaltung des Chorraumes 2014
Bei der Vorbereitung der Jubiläumsfeierlichkeiten wurde früh der Wunsch laut, den Chorraum unserer Kirche durch ein zeitgenössisches Kunstwerk zu bereichern. In einem Wettbewerb wurde das Projekt des Berner Künstlers Franticek Klossner ausgewählt. Das Auge des Betrachters wird auf den wunderbaren Taufstein mit goldenem Kelch gelenkt. Dieser wurde mit einem neuen Taufbecken versehen, in welches regelmässig Tropfen aus einem darüber hängenden Gefäss fallen. Das Bibelwort im Taufbecken weist hin auf die symbolische Bedeutung des Wassers im christlichen Glauben: „Das Wasser, das ich dir gebe, wird in dir zur sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt“.

Diese Intervention von Franticek Klossner ist eine stille, ruhige und meditative Arbeit. Das Werk begibt sich in einen engen Dialog mit den architektonischen Qualitäten der Kirche Jegenstorf. Altes wird neu sichtbar und lebendig gemacht und ausdrucksvoll ergänzt. Durch die Neugestaltung des Chorraumes mit dem neuen Taufbecken und dem stilvollen Kerzenständer, gefertigt aus einem alten Glocken-Klöppel, sowie dem schlichten Abendmahlstisch und Lesepult wurde die Ausstrahlung des Chorraumes auf die ganze Kirche verstärkt.

Die Kosten für die Chorgestaltung wurden mit Beiträgen von Gönnern und Spendern gedeckt oder durch kostenlos geleistete Arbeit des einheimischen Gewerbes reduziert. Wir danken den folgenden Institutionen und Betrieben für die grosszügige Unterstützung: Ursula Wirz Stiftung Bern / Burgergemeinde Jegenstorf / Einwohnergemeinden Jegenstorf, Zuzwil, Urtenen-Schönbühl, Münchringen / Jegenstorfer KMU / Metallbau Gebr. Müller AG Bern / Schlosserei Hans Baumgartner Jegenstorf / Sedorama AG Schönbühl / Raiffeisenbank Grauholz / Berner Kantonalbank Jegenstorf / Interdiscount Jegenstorf / viele grosszügige private Zuwendungen

Wir laden Sie ein, in unserer Kirche zu verweilen und dabei Gottes Nähe zu suchen.
Herzlich willkommen!

»  Beschreibung des neu gestalteten Chorraumes
Bereitgestellt: 27.02.2016     
aktualisiert mit kirchenweb.ch