Irgendwie anders
Eineltern14-01 (Foto: Alfred Aeppli)
«Eine Woche Badeferien am Meer mit der super organisierten Reise ist für mich genial und wäre sonst nicht möglich. Wir haben uns sehr wohl gefühlt, uns gut erholt und viel Spass gehabt.» So beschreibt eine Teilnehmerin den Gesamteindruck der Ferienwoche für Einelternfamilien, welche Ende September von der Kirchgemeinde Jegenstorf-Urtenen angeboten wurde. Zwölf alleinerziehende Eltern mit 21 Kindern gönnten sich eine Woche vergünstigten Urlaub am Meer in Kroatien. Das Wochenthema «irgendwie anders» gab Anlass für spannende Gespräche und kreative Abendprogramme.
Text und Bilder von Corinne Roll und Alfred Aeppli,
Corinne Roll war zusammen mit ihrem Sohn Teilnehmerin dieser Ferienwoche. Sie beschreibt ihre Eindrücke auf dem Heimweg folgendermassen:
Es ist schon fast kitschig – die Sonne geht unter, der Mond auf, ein Flugzeug startet Richtung Sonnenuntergang und wir nehmen Abschied vom «BiVillage», unserem Ferienresort bei Fažana in Kroatien. Wir steigen ein in den «Bauch des Wals» in den grossen Reisebus eines Schweizer Unternehmens mit kroatischen Wurzeln.
Wir – das sind elf Frauen, ein Mann und 21 Kinder und Teenies zwischen ein und 14 Jahren. Heirassa – das verspricht Stimmung; von Anbeginn der Reise an. Dass diese nicht kippte, dafür sorgte ein Team von acht Personen. Darunter Pfarrer Alfred Aeppli mit seiner Frau Verena, die zusammen mit der kirchlichen Mitarbeiterin Rita Nussbaum und einer Gruppe Jungschar-Leiter für viel Entspannung und Erholungsmöglichkeiten sorgten. Ihr Ziel war es, nach 2013 auch in diesem Jahr Einelternfamilien eine günstige Ferienwoche anbieten zu können. Dies war einerseits dank dem grossen Engagement der Organisierenden, aber auch mithilfe mehrerer grosszügiger Sponsoren aus dem Umfeld der Kirche möglich.
Fussmassagen und Makrelen Ein Ausflug in die nahegelegene Stadt Pula mitsamt Besichtigung eines der ältesten Amphitheaters Europas, ein ganzer Tag auf einem Schiff, mit Halt zum Schnorcheln und Baden, danach frische Makrele vom Grill – das sind nur Splitter eines Angebotes, das den im Alltag sehr eingespannten Eltern «sun, fun, and nothing to do» versprach. Das Versprechen wurde gehalten. Es gab immer wieder Mussestunden, sei es in Form von zwei Stunden Kinderbetreuung am Nachmittag oder auch mit einem Wellness-Nachmittag mit Fussbad und anschliessender Fussmassage.
Irgendwie anders Thematisch stand die Ferienwoche unter dem Motto, beziehungsweise der Aussage «irgendwie anders». Von solchen Pauschalurteilen können allein Erziehende ein Liedchen singen. In kurzen biblischen Inputs und auch in Form von Liedern und Gesprächen wurde das vermeintliche Anderssein von Einelternfamilien thematisiert. Dabei wurden die Stärken von Menschen, die die Verantwortung für eine Familie alleine tragen, besonders gewürdigt. Verena Aeppli, Initiantin des Projektes: «Ich bewundere allein Erziehende. Es braucht enorm viel Kraft, um ein solches Leben zu meistern.»
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren durchwegs positiv. Für manche wäre eine solche Reise ohne vergünstigten Tarif gar nicht möglich gewesen, weil das Budget zu schmal ist. Für andere sind es die ersten Ferien am Meer überhaupt. Andere freuen sich einfach darauf, verwöhnt zu werden und zwei Mal pro Tag an den Tisch sitzen zu können. Die Kinder schnorcheln nach Krebsen, fördern Muscheln und Schneckenhäuser zutage und verbringen mit dem Jungschar-Team spannende Stunden.
Nach einer Woche haben alle eine sehr gesunde Farbe im Gesicht und die Gesichter lachen. Der Plan der Initiantinnen ist aufgegangen – bedürfnisgerechte, günstige Ferien für Einelternfamilien anzubieten.
Jetzt steigen wir also in ebendiesen «Bauch des Wals» wie ich das Innere des Reisebusses nenne, Gott weiss warum. Es ist Nacht geworden, die Kinder sind, nach vollen acht Tagen, die sie zusammen verbracht haben, ins Spiel vertieft oder auch zusammen am «gamen». Die beiden Fahrer werden einander während der nächsten zehn Stunden Fahrt immer wieder ablösen, der Eine wird in eine winzig kleine Schlafkabine schlüpfen, während der Andere routiniert unserem «Heimathafen» entgegenrollt. Und wir werden vom Meer träumen und die Gischt auf unseren Wangen spüren.
Auch die folgenden Echos von Teilnehmenden spiegeln etwas von den Eindrücken und Erfahrungen dieser Woche:
- Es tat gut, so weit weg vom Alltag in den Ferien zu sein.
- Es war für uns eine sehr gute und erholsame Zeit mit Freiraum, um den Tagesablauf zu gestalten.
- Wir schätzten die Spielplätze in der Nähe und den Spazierweg dem Meer entlang zum kleinen Dörfchen.
- Ich fand den Morgenimpuls jeweils spanend und bereichernd. Der besinnliche Einstieg in den Tag tat mir gut.
- Ich habe die interessanten Gespräche sehr geschätzt. Der Austausch mit Leuten in ähnlichen Lebenslagen hat gut getan.
- Die zwei Ausflüge waren beide top und im Gesamtprogramm genau richtig.
- Die Schifffahrt mit dem Halt an den Klippen war das Grösste für unsere kleine Familie.
- Ich fand das Abendprogramm sehr familiär und abwechslungsreich. Der Höhepunkt war für mich und die Kinder jeweils das Regenbogenlied.
- Eine Woche, organisiert von Menschen, die sich wirklich Gedanken über die Eineltern-Thematik gemacht haben – das tut sehr gut!